Arno Thaller
Die Bedeutung von Herderkrankungen
Bei jeder chronischen Erkrankung muss nach Herden gefahndet werden. Darüber besteht Einigkeit, wiewohl diese Herdsuche von der Schulmedizin vernachlässigt wird.
Dies liegt daran, dass der Schulmedizin bei chronischen Erkrankungen keine heilende Strategie, sondern nur eine symptomatische Behandlung zur Verfügung steht. Dabei kommt es nicht auf die Beseitigung der Ursachen an, sondern nur auf die Beseitigung des Symptoms. Bei-spiel: Ein Patient leidet an einem "Tennis-Ellenbogen". Nach schulmedizinischer Theorie handelt es sich um einen Reizzustand der Fingerstreckmuskulatur an ihrer Einstrahlung in den Oberarmknochen (Epicondylus radialis humeri). Als Ursache sieht die Schulmedizin meist irgendwelche Überlastungen: bei der häuslichen Arbeit, oder eben beim Tennis-Spielen.
Die biologische Theorie dagegen sieht hinter diesem lokalen Reizzustand noch eine andere Entzündung, meistens im Bereich des Kopfes (Zähne, Nebenhöhlen, Mandeln). Der menschliche Körper ist für Arbeit geeignet. Wenn eine ganz normale Tätigkeit wie Fensterputzen oder die Schwerarbeit an einer Computermaus zu einer Irritation am Ellenbogen führt, dann muss da noch etwas anderes dahinterstecken, nämlich ein Herd.
Einigkeit besteht auch darüber, dass die Herdhypothese mit durch den Sanierungserfolg bewiesen wird: Wenn durch die Entfernung eines vereiterten Zahnes die Ellenbogenschmerzen verschwinden.
Uneinigkeit besteht nur in der Diagnostik.
Schulmedizinische Herddiagnostik
Zur Herdsuche stehen der Schulmedizin die Krankengeschichte, die physikalische Untersuchung, bildgebende Verfahren (Röntgen, Kernspintomogramm, Szintigramm, Ultraschall) und der laborchemische Nachweis von Entzündungsparametern zur Verfügung.
Schon die Krankengeschichte kann Hinweise auf Herderkrankungen ergeben, z.B. gehäufte Mandelentzündungen, häufige Zahnarztbesuche, sowie die Zeichen einer chronischen Nebenhöhlenentzündung (siehe Luffa-Kur).
Die klinische Untersuchung entdeckt dann oft eine auffällige Rötung der hinteren Rachenwand oder gar die berühmte "Eiterstraße", d.h. ein ganzer Vorhang von Schleim und Eiter zieht sich vom Nasen-Rachen nach unten und verschleiert die hintere Rachenwand. Nicht selten lässt sich dann auf einem Ultraschall- oder Röntgenbild eine Schleimhautschwellung oder gar Flüssigkeit in den Nebenhöhlen nachweisen. Damit ist der Beweis einer chronischen Nebenhöhlenentzündung erbracht. Ob diese Nebenhöhlenentzündung allerdings verantwortlich für ein bestimmtes Symptom, in unserem Fall dem Tennis-Ellenbogen ist, ist dadurch noch nicht bewiesen. Der letzte Beweis geschieht durch die Sanierung des Herdes. Wieviele tote Zähne sind schon gezogen worden, ja wie viele Kiefer sind kahlgeschlagen worden, ohne dass sich irgendetwas an den Beschwerden des Patienten geändert hätte!
Die ganze Herdtheorie ist durch eine solche Medizin in Verruf geraten, und als "Fokus-Pokus" verspottet worden.
Spezifität - Sensitivität
Kein diagnostisches Verfahren kann 100%ige Sicherheit gewähren. Immer wird es falsch positive und falsch negative Resultate neben den richtig positiven und richtig negativen produzieren. Zur verantwortungsvollen Handhabung einer diagnostischen Methode gehört das Wissen um den prozentualen Anteil falsch positiver und falsch negativer Resultate. Eine Methode die keine falsch negativen Ergebnisse produziert, hat eine hohe Sensitivität. Eine Methode, die keine falsch positiven Ergebnisse produziert hat eine hohe Spezifität.
Meist stehen die beiden Prädikate miteinander auf Kriegsfuß. Eine Methode mit hoher Sensitivität hat notwendigerweise geringere Spezifität und umgekehrt.




